Equilibrismus

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Equilibrismus ist ein sozio-ökologisches Wirtschaftskonzept, welches Eric Bihl und Volker Freystedt in ihrem 2005 erschienenen Buch "Equilibrismus - Neue Konzepte statt Reformen für eine Welt im Gleichgewicht" vorgestellt haben. Unter dem Dach des Equilibrismus sind - ähnlich einzelner Puzzlestücke - zahlreiche sozio-ökologische Alternativen vereint, die größtenteils heute schon verfügbar sind. Um die Idee langfristig zu unterstützen, gründete Eric Bihl den gemeinnützigen Equilibrismus e. V. bereits am 12. November 1997 in München. Das Ziel ist eine moderne Gesellschaft, die im Einklang mit der Natur lebt und wirtschaftet.

Grundidee

Derzeit stehen die Gesellschaften rund um den Globus vor einer Vielzahl an Herausforderungen: Eine stetig wachsende Bevölkerung muss ernährt werden, wobei zeitgleich die industrielle Landwirtschaft an ihre Grenzen stößt und teils große Umweltschäden hinterlässt. Ebenso wie die meisten herkömmlichen Wirtschaftsbereiche hängt die industrielle Landwirtschaft am Ölhahn. Dabei ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis kein billiges Erdöl mehr die globale Wirtschaft schmieren kann. Das schwarze Gold ist nicht die einzige Ressource, die der westliche Kapitalismus und sein jetziges Geldsystem verschlingen. Beide sind abhängig vom grenzenlosen (Wirtschafts-)Wachstum bei gleichzeitig endlichen Ressourcen, die häufig unwiederbringlich verschwendet werden. Regenerative Energiequellen müssen erschlossen, Lebensraum bewahrt und soziale Gerechtigkeit hergestellt werden.

Statt vereinzelter Reformen, die sich lediglich mit Teilbereichen beschäftigen, steht beim Equilibrismus ein umfassender Paradigmenwechsel im Mittelpunkt. Es handelt sich eben nicht um Fehler im System, sondern um ein fehlerhaftes System. Daher stellt der Equilibrimus nicht einzelne Symptome, sondern die jeweiligen Ursachen in den Mittelpunkt. Im globalen Maßstab ist dies jedoch erst umfassend möglich, wenn wir uns gedanklich vom bestehenden System lösen können und völlig neue Paradigmen zu neuen Handlungsansätzen zusammenfügen.

Der Equilibrismus verbindet daher bereits heute verfügbare nachhaltige Lösungsansätze aus Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft, welche sich übergreifend den wichtigsten Problembereichen und deren Ursachen widmen und in Kooperation verwirklicht werden sollen. Die fünf Lebensgrundlagen unserer modernen Zivilisation - Energie, Behausung, Kleidung, Nahrung und Mobilität - können so im Einklang mit der Natur sichergestellt werden.

Vom Konzept über die Fiktion zur Realität

Mit dem Gründen des gemeinnützigen Vereins und dem Veröffentlichen ihres Sachbuchs "Equilibrismus - Neue Konzepte statt Reformen für eine Welt im Gleichgewicht" haben Eric Bihl und Volker Freystedt das Fundament gelegt. Gerade als Eric Bihl und Volker Freystedt gemeinsam an ihrem Sachbuch arbeiteten, regte der damalige und leider im Frühjahr 2004 verstorbene Unterstützer Sir Peter Ustinov einen Roman an. Dieser sollte die Vision noch deutlicher spürbar machen und in der Fiktion die Umsetzung des Konzepts vorwegnehmen.

Mit Dirk C. Fleck war schon bald ein geeigneter Autor gefunden. So erschien 2008 der erste Equilibrismus-Roman "Das Tahiti-Projekt", der ein Jahr später mit dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnet wurde. In der Fiktion ist Tahiti im Jahr 2022 die vollständige ökologische Wende gelungen. Die Fortsetzung "Maeva!" erschien im Frühjar 2011 und ein Jahr später als Taschenbuch unter dem neuen Titel "Das Südsee-Virus". Derzeit schreibt Fleck am dritten Roman, der die Trilogie abschließen wird.

Bei Konzept und Fiktion soll es nicht bleiben, sondern in der Realität sollen Modellprojekte entstehen. Um neue Wege konsequent ausprobieren zu können, ist es in einigen Bereichen nötig, aus bestehenden Systemen, wie beispielsweise der bei uns geltenden Geld- und Bodenordnung, ausbrechen zu können. Hierzu können Modellprojekte dienen, die direkt durch den Equilibrismus e. V. initiiert werden, Dritte zu einem solchen inspirieren oder indem einzelne Teile des sozio-ökologischen Wirtschaftskonzepts Einzug in bereits bestehende Projekte halten.

Mit diesen ökologischen Schaufenstern soll der Beweis angetreten werden, dass unsere moderne Gesellschaft im Einklang mit der Natur existieren kann. Noch gibt es kein Modellprojekt des Equilibrimus e. V. im Stadium des "Anfassens". Auf der Insel Rapa Iti in Französisch-Polynesien sind die vorbereitenden Schritte derzeit am weitesten gediehen: Die politischen Gremien – der Rat der Weisen, die Hüter der Erde und Bürgermeister Tuanainai Narii – haben sich in offiziellen Schreiben für die vollständige ökologische Wende ausgesprochen. Sie möchten das weltweit einzigartige Modellprojekt in ihrer Heimat umsetzen. Unterstützung vor Ort gibt es durch Equilibrismus-Botschafterin Roti Make, die zeitweise auf Rapa Iti lebt.

Für ein eigenes Modellprojekt sucht der Equilibrismus e. V. Regionen, die weniger stark von der Globalisierung betroffen sind, die einen vergleichbaren Lebensstandard und ähnliche Probleme wie Europa haben, aber gleichzeitig über genügend Ressourcen verfügen, um eigene Reformen auch durchzustehen. Französisch-Polynesien ist eine mögliche Region, die diese Kriterien erfüllt. Ein Satz von Michael Ende bringt die Begründung für diese sehr bewusste Entscheidung auf den Punkt: „Auf einem Dampfer, der in die falsche Richtung fährt, kann man nicht sehr weit in die richtige Richtung gehen.“ Das betrifft vor allem das derzeitige Wirtschaftssystem, speziell die Geld- und Bodenordnung.

Sozio-ökologische Alternativen

Viele Alternativen sind bereits heute verfügbar, werden erprobt oder sind schon vereinzelt im Einsatz. Der Equilibrismus vereint diese Alternativen unter einem Dach, zum Beispiel...

Literatur

  • Volker Freystedt, Eric Bihl, "Equilibrismus - Neue Konzepte statt Reformen für eine Welt im Gleichgewicht", Signum Verlag Februar 2005
  • Dirk C. Fleck, "Das Tahiti-Projekt" (gebundene Ausgabe), Pendo Feburar 2008
  • Dirk C. Fleck, "Das Tahiti-Projekt", Piper Taschenbuch Februar 2010
  • Dirk C. Fleck, "Maeva!" (gebundene Ausgabe), Greifenverlag, März 2011
  • Dirk C. Fleck, "Das Südsee-Virus", Piper Taschenbuch Dezember 2012
  • Dirk C. Fleck, "El Proyecto Tahiti" (spanische Ausgabe "Das Tahiti-Projekt"), Arty y Literatura Februar 2013

Weblinks